DORI -Berechnungs-Praxisbeispiel (2026): Schrittweise EN 62676-4 Konformität für reale Projekte
Drei praktische Beispiele – Laderampe eines Lagerhauses, automatische Zugangskontrolle auf einem Parkplatz und Bankschalter – mit der vollständigen Berechnung der Pixel pro Meter EN 62676-4. Nach dem Lesen dieses Artikels können Sie DORI Werte für jede Kamera-Ziel-Entfernung im Kopf berechnen und wissen genau, welche Kamera-Objektiv-Kombination welchen DORI Schwellenwert erfüllt.
Inhaltsverzeichnis
Was Sie lernen werden
Es ist gut, über DORI zu lesen. Doch die Berechnung DORI in einem realen Projekt entscheidet über Erfolg bei Ausschreibungen und die erfolgreiche Inbetriebnahme. Dieser Artikel ist die praktische Ergänzung zur theoretischen DORI Erklärung. Wir wählen drei Projekttypen aus, die in etwa 80 % aller Videoüberwachungsanlagen vorkommen, und wenden die Berechnungen EN 62676-4 vollständig auf jeden einzelnen an – inklusive der nachvollziehbaren Berechnungen. Am Ende sollten Sie anhand eines Kameradatenblatts, der Objektivauswahl und der Zielentfernung innerhalb von 30 Sekunden erkennen können, welchen DORI Wert die Anlage erfüllt.
Warum drei Beispiele und nicht nur eines? Weil jedes Beispiel einen anderen Aspekt der Berechnung hervorhebt. Das Lagerhaus zwingt Sie, über die Verschlechterung DORI Eigenschaften mit zunehmender Entfernung nachzudenken. Die Kennzeichenerkennungsschranke zwingt Sie, den Pixelspielraum für die Lesbarkeit des Nummernschilds zu berücksichtigen. Der Bankschalter zwingt Sie, die Pixeldichte für die Gesichtserkennung auf kurze Distanz bei eingeschränkter Objektivwahl zu betrachten. Zusammen decken sie die Berechnungsgrundlagen ab, die Sie für nahezu jedes Design benötigen.
DORI Mathematik-Auffrischung – die Formel in einem Absatz
EN 62676-4 definiert DORI in Pixeln pro Meter in der Zielentfernung. Die Berechnung basiert auf Schulgeometrie: Das Winkelfeld des Objektivs wird auf eine horizontale Schicht der Szene projiziert, und die horizontale Pixelanzahl der Kamera verteilt sich auf diese Schicht. Die kompakte Formel lautet:
Die DORI Pixel-pro-Meter-Formel
PPM = (Brennweite_mm × Bildbreite_Pixel) / (Sensorbreite_mm × Abstand_m)
- focal_length_mm — the lens you have selected (e.g. 6mm, 12mm).
- image_width_pixels — the horizontal pixel count (e.g. 2560 for 4MP at 16:9).
- sensor_width_mm — the horizontal sensor dimension (1/2.8" ≈ 5.376mm; 1/1.8" ≈ 7.20mm).
- distance_m — the metres from the camera to the target.
Vergleichen Sie das Ergebnis mit den Schwellenwerten der EN 62676-4 : 25 ppm Detektion, 62 ppm Beobachtung, 125 ppm Erkennung, 250 ppm Identifizierung. Die Änderung von 2025 führt OODPCVS-Modi ein, die dieses Vokabular erweitern, die zugrunde liegende Pixelarithmetik bleibt jedoch unverändert.
Zwei praktische Hinweise, bevor wir zu den einzelnen Schritten kommen. Erstens: Die Sensorgröße wird üblicherweise als Bruchteil eines Zolls angegeben (1/2,8", 1/1,8", 1/1,2"). Dies sind keine tatsächlichen Zollangaben, sondern eine veraltete Bezeichnung aus der Zeit der Videoröhrenkameras. Nutzen Sie die untenstehende Umrechnungstabelle oder Ihren Taschenrechner. Zweitens: Die Formel geht von einem Standardobjektiv mit geradliniger Abbildung aus. Weitwinkel- und Fisheye-Objektive verursachen eine tonnenförmige Verzeichnung, die die effektive Pixeldichte im Bildfeld leicht verändert. Verwenden Sie in diesen Fällen die vom Hersteller angegebene effektive Brennweite anstelle der nominalen.
| Sensorgröße | Horizontal mm |
|---|---|
| 1/3" | 4.80mm |
| 1/2.8" | 5.376mm |
| 1/2.5" | 5.76mm |
| 1/1.8" | 7.20mm |
| 1/1.2" | 10.67mm |
Rundgang 1 – Laderampe des Lagers
Die Situation: Ein Logistikkunde installiert Videoüberwachung an einer 25 m breiten Laderampe. Eine Kamera ist an der Gebäudewand direkt über dem Rampentor montiert und filmt in den Hof. Die gewählte Kamera hat 4 Megapixel, einen 1/2,8"-Sensor (2560 × 1440 Pixel, 5,376 mm horizontal) und ein 6-mm-Festbrennweitenobjektiv. Die Frage: Welchen DORI Wert erreicht diese Kamera in 10 m, 20 m und 35 m Entfernung von der Wand?
Die Zahlen
- PPM @ 10 m = (6 × 2560) / (5,376 × 10) = 285,7 ppm → Identifizierung (>250)
- PPM @ 20 m = (6 × 2560) / (5,376 × 20) = 142,9 ppm → Erkennung (>125)
- PPM @ 35 m = (6 × 2560) / (5,376 × 35) = 81,6 ppm → Beobachtung (>62)
Die Interpretation. Eine einzelne 4-Megapixel-Kamera auf 6 mm Brennweite erfasst das Dock mit drei verschiedenen DORI Stufen in drei unterschiedlichen Entfernungen: Identifizierung direkt am Tor, Erkennung in der Mitte des Dockgeländes und Beobachtung tiefer im Ladebereich. Bei einem 25 m breiten Dock erfüllt jedes Pixel entlang der Dockfläche mindestens die Erkennungsstufe, was die richtige Schwelle darstellt, um sicherzustellen, dass bekannt ist, wer welchen Container abgeholt hat.
Fazit zum Design: Benötigt der Kunde eine Identifizierung auf 20 m Entfernung (z. B. zur Erfassung der Fahrer-IDs von Gabelstaplern auf dem gesamten Betriebsgelände), ist diese Kamera nicht ausreichend. Er benötigt entweder eine längere Brennweite (wodurch die Weitwinkelansicht im Türbereich eingeschränkt wird) oder einen höher auflösenden Sensor (8 MP mit demselben 6-mm-Objektiv ermöglichen eine Identifizierung jenseits von 20 m). Die Demonstration verdeutlicht den Kompromiss anhand von Zahlen – genau das sollten Sie mit dem Kunden vor der Installation besprechen, nicht erst danach.
Rundgang 2 – ANPR-Tor am Parkplatz
Die Ausgangssituation: Ein Geschäftskunde wünscht eine automatische Kennzeichenerkennung (ANPR) an der Einfahrt zu einer Tiefgarage. Die Schranke befindet sich 5 m von der Kamerahalterung entfernt. Die gewählte Kamera hat 8 Megapixel, einen 1/1,8"-Sensor (3840 × 2160 Pixel, 7,20 mm horizontal) und ein 12-mm-Festbrennweitenobjektiv. Die Frage: Erfüllt diese Kombination die Anforderungen an die Kennzeichenidentifizierung (250 Personen pro Minute) an der Schranke, und wie groß ist die Sicherheitsmarge?
Die Zahlen
- PPM @ 5 m = (12 × 3840) / (7,20 × 5) = 1280 ppm → Identifizierung (>>250)
- PPM @ 10 m = (12 × 3840) / (7,20 × 10) = 640 ppm → Identifizierung (>>250)
- PPM @ 25 m = (12 × 3840) / (7,20 × 25) = 256 ppm → Identifizierung (knapp über 250)
Die Interpretation. Auf 5 m Entfernung liefert die Kamera 1280 Pixel pro Minute – mehr als das Fünffache des Identifikationsschwellenwerts EN 62676-4. Dieser Spielraum wird genutzt. Die automatische Kennzeichenerkennung (ANPR) funktioniert nur zuverlässig, wenn das Kennzeichen gut beleuchtet, optimal ausgerichtet und frei von Bewegungsunschärfe ist. Dank des hohen Pixelspielraums kann das System die unvermeidlichen Beeinträchtigungen im Alltag (Regen auf der Linse, tiefstehende Sonne, leichte Fahrzeugneigung) tolerieren, ohne die Lesbarkeitsschwelle zu unterschreiten. Ein System, das unter Laborbedingungen gerade so 250 Pixel pro Minute erreicht, scheitert in der Praxis meist.
Fazit zum Design: Die Wahl von 8 MP auf 12 mm Brennweite ist für ein 5 m breites Tor mit ausreichendem Sicherheitsabstand optimal. Würde dieselbe Kamera weiter entfernt – bis zu etwa 25 m – montiert, würde sie die Identifizierung zwar weiterhin gewährleisten, jedoch mit deutlich geringerer Toleranz gegenüber Umwelteinflüssen. Für eine Kamera, die ausschließlich der automatischen Kennzeichenerkennung (ANPR) dient, ist eine großzügige Pixelanzahl die richtige und keine verschwenderische Designentscheidung.
Rundgang 3 – Bankschalter
Die Ausgangssituation: Eine Bank modernisiert die Videoüberwachung an den Schaltern ihrer Filiale. Jeder Schalter ist mit einer eigenen Kamera ausgestattet, die an der Rückwand, 4 m von der Kundenseite entfernt, montiert ist. Die gewählte Kamera hat 6 Megapixel, einen 1/1,8"-Sensor (3072 × 2048 Pixel, 7,20 mm horizontal) und ein 8-mm-Festbrennweitenobjektiv. Die Frage: Erfüllt diese Technologie die Anforderungen für eine Identifizierung von 250 Personen pro Minute (ppm) auf der Kundenseite des Schalters mittels Gesichtserkennung?
Die Zahlen
- PPM @ 4 m = (8 × 3072) / (7,20 × 4) = 853 ppm → Identifizierung (>>250)
- PPM @ 6 m = (8 × 3072) / (7,20 × 6) = 569 ppm → Identifizierung (>>250)
- PPM @ 12m = (8 × 3072) / (7,20 × 12) = 284 ppm → Identifizierung (knapp über 250)
Die Interpretation: Die 6-Megapixel-Kamera auf 8-mm-Sensor erfüllt die Anforderungen an die Identifizierung mit 250 Bildern pro Minute (ppm) am Kassenschalter und bietet dabei noch ausreichend Pixelreserve. EN 62676-4 definiert 250 ppm als die Nachweisgrenze, ab der eine unbekannte Person anhand des Bildes identifiziert werden kann – genau der Anwendungsfall für die Gesichtserkennung, die durch eine markierte Transaktion ausgelöst wird. Dieselbe Kamera erfüllt die Anforderungen an die Identifizierung bis zu einer Entfernung von ca. 12 m, was die Tiefe eines üblichen Kassenbereichs übersteigt.
Fazit zum Design: Bei dieser Geometrie sind Montagehöhe und Winkel zum Gesicht des Kunden wichtiger als zusätzliche Pixel. Ein Gesicht, das aus einem steilen Winkel von oben betrachtet wird, ist schwerer zu erkennen als dasselbe Gesicht mit derselben Pixelanzahl, das nahezu frontal betrachtet wird – die Pixeldichte ist eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung. Der Testlauf verdeutlicht den richtigen Ansatzpunkt für die Designdiskussion: Der Fokus der nächsten Iteration sollte auf der Montageposition und nicht auf den Kameraspezifikationen liegen.
Erinnerung an die Schwellenwerte EN 62676-4. Der Identifizierungsschwellenwert von 250 ppm ist die standardisierte Grenze, ab der eine unbekannte Person anhand eines Bildes zuverlässig identifiziert werden kann. Lokale Gesichtserkennungsalgorithmen benötigen üblicherweise deutlich niedrigere Werte, doch der Wert von 250 ppm ist derjenige, der einer gerichtlichen Beweisprüfung standhält – und genau daran soll sich letztendlich der Einsatz von Gesichtserkennungssystemen an Bankschaltern messen lassen.
Häufige Fehler
Drei Fehler sind die Ursache für fast jede Diskussion, in der es heißt: „Die Berechnungen sind positiv, aber die Installation schlägt fehl.“ Ihnen diesen Aufwand zu ersparen, ist ein Hauptgrund für diesen Artikel.
- Verwirrung um die Sensorgröße. Ein 1/2,8"-Sensor entspricht nicht 1/2,8 Zoll – diese Bezeichnung stammt aus der Zeit der Vidicon-Röhren und entspricht etwa 5,376 mm horizontaler Ausdehnung. Setzt man 9,07 mm (den Wert von 1 Zoll geteilt durch 2,8) in die Formel ein, führt dies mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer doppelt so hohen Überschätzung der Erfassungsdistanz.
- Das Seitenverhältnis fehlt. Eine „4-MP-Kamera“ kann eine Auflösung von 2560 × 1440 (16:9) oder 2048 × 1536 (4:3) haben. Die horizontale Pixelanzahl unterscheidet sich um 25 %, und damit auch der resultierende DORI Abstand. Lesen Sie die Auflösung immer im Datenblatt ab – leiten Sie niemals das Seitenverhältnis aus der Megapixelzahl ab.
- Falsche Einheitenumrechnungen. Die Vermischung von Zentimetern und Metern, Fuß und Metern oder Millimetern und Zentimetern ist der häufigste Fehler, da er plausibel erscheinende Ergebnisse liefert. Verwenden Sie einen Taschenrechner, der Einheiten erkennt (der CCTVplanner DORI Rechner kann m und ft nativ verarbeiten) und überprüfen Sie die Einheit bei jedem Rechenschritt.
- Datenblatt-Schwellenwerte vs. EN 62676-4 -Schwellenwerte. Einige Hersteller geben die „Erkennungsdistanz“ anhand ihrer eigenen internen Pixeldichte-Zielvorgabe an. Prüfen Sie stets, ob die Angabe im Datenblatt auf 100 ppm, 150 ppm oder den EN 62676-4 -Standardwert von 250 ppm basiert – der Unterschied kann bis zu 2,5-mal so groß sein.
Wie man automatisch verifiziert
Die Berechnung per Hand ist eine gute Lernmethode. Die manuelle Berechnung für jede einzelne Kamera in einem Projekt mit 40 Kameras birgt jedoch ein hohes Fehlerrisiko. CCTVplanner bietet zwei kostenlose, browserbasierte Tools, die die obige Formel mit den EN 62676-4 Grenzwerten und dem Katalog mit über 65.000 Kameras exakt umsetzen.
Zwei Taschenrechner, die die Berechnungen für Sie erledigen
- DORI Rechner – Kamera und Zielentfernung auswählen, Pixeldichte und DORI Wert ermitteln.
- EN 62676-4 Rechner — normenorientierte Objektivempfehlung einschließlich OODPCVS-Modi ab 2025.
- Designer – vollständige Projektoberfläche, auf der jede Kamera automatisch anhand EN 62676-4 in der Projektoberfläche, BOM und PDF Dokument bewertet wird.
Bei Projekten mit mehreren Kameras ist der Planer der richtige Ansprechpartner. Er platziert jede Kamera im Grundriss, stellt das Objektiv ein, und die Farbkennzeichnung der Arbeitsfläche zeigt an, welcher Bereich welchem DORI Level entspricht. Konformitätshinweise werden rot angezeigt, wenn eine Kamera mehr Pixel pro Meter liefern soll, als Objektiv und Auflösung zulassen. Die exportierte mehrseitige PDF enthält den DORI -Level jeder Kamera in der Ausrüstungstabelle – der Einkäufer kann den berechneten Wert direkt ablesen, ohne ihn erneut berechnen zu müssen.
Für einen detaillierteren Einblick in die Aktualisierung der Normen hinter diesen Tools erläutert der Artikel EN 62676-4 :2025 OODPCVS die sieben neuen Modusbezeichnungen, die im Rahmen der EU-Beschaffung 2026 zusätzlich zu den klassischen DORI gelten.
Häufig gestellte Fragen
What is the basic formula for DORI pixel density?
Pixels per metre at the target distance equals (focal_length_mm × image_width_pixels) divided by (sensor_width_mm × distance_m). The horizontal resolution is in pixels, the focal length and sensor width are in millimetres, and the target distance is in metres. The result is the pixel density at that distance, which you compare against the EN 62676-4 thresholds: 25 ppm Detection, 62 ppm Observation, 125 ppm Recognition, 250 ppm Identification.
Do I use the horizontal pixels or the total megapixels in the formula?
Always use the horizontal pixel count. A 4MP camera at 16:9 has 2560 × 1440 pixels — for DORI you take 2560, not 4,000,000. Using megapixels in the formula will silently overestimate pixel density by orders of magnitude. This is the single most common mistake and the one most likely to make a design fail commissioning.
Why do my numbers differ from the camera datasheet's 'identification distance'?
Manufacturers sometimes publish identification distances using their own proprietary thresholds rather than the EN 62676-4 250 ppm value. Always cross-check the assumed pixel-density target. A datasheet that says 'identification at 18m' might be assuming 100 ppm or 150 ppm rather than the standard 250 ppm — at 250 ppm the same camera would only reach about 7m. The math is correct, the assumption is what differs.
Does the lens choice or the resolution matter more?
They matter equally — pixel density is proportional to focal length divided by sensor width, and proportional to horizontal resolution. Doubling either roughly doubles the achievable identification distance. In practice, varifocal lenses give you flexibility to optimise per-camera, while resolution upgrades benefit every zone uniformly. The right answer for any given site is usually a combination: a smaller number of higher-resolution cameras with appropriately-chosen lenses.
How do I verify a DORI calculation without doing the math by hand?
Use a calculator that knows the EN 62676-4 thresholds and the camera catalogue. The CCTVplanner DORI calculator at /calculator/dori takes the camera and the target distance and returns the achieved pixel density and DORI level. The dedicated EN 62676-4 calculator at /en-62676-4-calculator wraps the same maths with standards-aware language including the 2025 OODPCVS modes. Both are free and require no install.
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